DIE ENTSTEHUNG DES ERZBISTUMS MÜNCHEN UND FREISING

200 Jahre Bayerisches Konkordat

24.10.2017

Die Französische Revolution ist vorbei. Napoleon ist auf Eroberungsfeldzug. In dieser Zeit formen sich die Landesgrenzen Bayerns und der bayerischen Bistümer, so wie sie bis heute bestehen. München und Freising wird zum Erzbistum. Festgelegt wird das im Bayerischen Konkordat von 1817, einem Vertrag zwischen dem König Max I. Joseph und Papst Pius VII.

Der Prachteinband und das Wappen des Konkordats von 1817
Der Prachteinband des Konkordats von 1817 mit dem Wappen von Papst Pius VII.© Bayerisches Hauptstaatsarchiv München

München – Anfang des 19. Jahrhunderts fallen Gebiete in der Pfalz und den heutigen Benelux-Staaten an Frankreich. Dort hatten einige bayerische Herrscher Besitz und stehen plötzlich ohne Land da. Das bayerische Königshaus löst daraufhin die Ländereien der Kirche im heutigen bayerischen Staatsgebiet auf. Damit verschieben sich die Grenzen Bayerns zu einem Gebiet, das dem heutigen Freistaat stark ähnelt, mit Ausnahme der Pfalz. Sie gehört bis 1946 zu Bayern. Mit Gebietsgewinn im Südosten möchte der bayerische König eine neue Einteilung der Bistümer in seinem Herrschaftsgebiet erreichen. Darauf einigt er sich mit Papst Pius VII. im Konkordat von 1817.

Neues Gebiet weltlich und kirchlich

Die Grenzen der Bistümer decken sich nun mit den Außengrenzen des Königreichs Bayern. Ein außerhalb residierender Bischof, wie der Erzbischof von Salzburg, hat nichts mehr zu sagen, meint Kirchenhistoriker Roland Götz. Die Kirchenhierarchie bleibt in Bayern. Zwei Kirchenprovinzen umfassen das neu entstandene Gebiet: Im Norden das Erzbistum Bamberg mit den Suffraganbistümern Eichstätt, Würzburg und Speyer. Im Süden das Erzbistum München und Freising, ihm sind Passau, Regensburg und Augsburg zugeordnet. Verwaltet werden die Suffraganbistümer von ihrem eigenen Bischof, sie unterstehen aber in bestimmten Bereichen der Aufsicht eines Erzbischofs.

Artikel II des Konkordats sieht einen Umzug für das Bistum Freising vor. Der König verlagert den Bischofssitz nach München, die Liebfrauenkirche wird zum Dom. Korbiniansfest und Priesterweihen bleiben aber weiterhin in Freising. Ab jetzt heißt die neu geschaffene Diözese Erzbistum München und Freising.

Mehr Macht für den König

Eine weitere Neuerung des Bayerischen Konkordats von 1817 betrifft die Machtverteilung zwischen Kirche und Staat. Den Bischöfen wird die freie Leitung ihrer Bistümer zugesichert.

Der Text des Vertrags ist für die katholische Kirche vorteilhaft formuliert, in Wirklichkeit stößt sich die Umsetzung an Punkten der politischen Wirklichkeit in Bayern, erklärt Roland Götz. Denn der König habe nun das alleinige Recht, Bischöfe vorzuschlagen. Sie dürften Kundgebungen nur dann veröffentlichen, wenn diese vom König abgesegnet sind. Durch das Ende des Königreichs Bayern 1918 ist der Vertrag zwischen Kirche und Staat teilweise überholt.

Das bayerische Konkordat von 1924

Bayern und der Heilige Stuhl schließen deshalb 1924 einen neuen Vertrag. Die einschneidendste Änderung gilt bis heute: Der Papst hat nun erstmals das Recht, die bayerischen Bischöfe frei zu ernennen. Er muss vorher aber noch das Einverständnis des bayerischen Staats einholen. Auch wie sie bezahlt werden, ist festgelegt: Weil die 1817 festgelegte „Dotation in Gütern und ständigen Fonds“ nie erfolgt ist, erhalten sie eine Bezahlung vom Staat.

Außerdem stellt der Staat dem Erzbischof ein Wohn- und Dienstgebäude zur Verfügung, in München ist das das alte Palais Lerchenfeld. Die Kirchenprovinzen und Verwaltungsstrukturen aus dem Konkordat von vor 200 Jahren sind auch heute noch aktuell.